Diese eine Rose

Nun sitze ich hier und verfasse meinen ersten Block. Weiß auch noch nicht so recht, wie ich anfangen soll. Vor einigen Jahren lernte ich einen netten, jungen Mann kennen. Wir verstanden uns auf Anhieb und konnten recht gut miteinander. Von Beginn an sehr ehrlich mit seiner Vorgeschichte die weit in eine schlimme Kindheit bis hin zur langen Drogensucht reichte - denn nach dieser Zeit lernte ich ihn kennen, hier in meiner Umgebung als er in einer Einrichtung zum Entzug und Wiedereingliederung war. Er hatte seine Heimatstadt verlassen, eine neue Ausbildung begonnen und wirklich versucht nach 12 Jahren wieder alles in den Griff zu bekommen. Zu diesem Zeitpunkt war ich gezwungen mich das erste Mal mit dem ganzen Thema Drogen auseinander zu setzen. Vorher war das für mich eigentlich nicht greifbar. War es sinnvoll sich darauf einzulassen? Jeder hat sein Päckchen zu tragen.. aber gleich so eines? Ich hatte aber keine Vorstellung davon was auf mich zukommt, also überwog die Zuneigung und man versuchte es. Diese Phase des Kennenlernens war noch so wie es sein soll, rosa Brille und Schmetterlinge im Bauch. Eine Ehrlichkeit die ich vorher so gar nicht kannte. Man sprach in einer Beziehung auch tatsächlich jedes unangenehme Thema an und konnte tatsächlich was bewirken damit. Das war umwerfend! Nicht immer schön aber ein gutes Gefühl von Vertrauen. Doch dann kam der erste Rückfall - meine kleine Welt ist kurz zusammen gebrochen und es war nicht einmal was "schlimmes" - aber wie gesagt, zu dem Zeitpunkt hatte ich noch keine Ahnung. Er gab sich große Mühe mir die Situationen zu erklären, hat mich auch sehr sachliche über das Thema Drogen, Rückfälle und Entzug aufgeklärt. Er hat es versucht für mich verständlich zu machen. Hat erstmal nicht geklappt. Aber gut, das war dann irgendwie überstanden. Aber der ganze Schein war erstmal getrübt. Die Sucht ist eine Krankheit - für die man durchaus selbst verantwortlich ist - aber im Nachgang ist man wirklich sehr befangen und machtlos in so einer Situation. Und man verlässt seinen Partner nicht wenn er "krank" ist. Das wurde mir dann schnell klar. Es ging weiter über Abende, in den ich ihn in der Wohnung einsperrte, damit er nicht los kann um sich was zu besorgen, Abende in dem er eine Backpfeife benötigt hat um bei Bewusstsein zu bleiben und dann der eine Tag, der schlimmste Rückfall ... an dem er mir eine Rose schenkte. Klingt seltsam? Ja, sicherlich. Es war nicht seine Art - er war absolut kein Romantiker, was mich nie gestört hat da ich da jetzt auch nicht so viel Wert drauf lege. Aber genau dieser Tag - in diesem Moment als ich ihn mit der Rose sah, sein Gesicht war ganz anders - da wusste ich, dass etwas nicht stimmte. Dieser Moment war von purem Egoismus geprägt, ich wusste genau es ist was passiert als ich weg war, aber ich habe es so beiseite geschoben und mich so sehr über diese Rose gefreut. Ich wollte nicht wahr haben, nach so langer "cleaner" Zeit, dass mein Freund es nicht geschafft hat. Wurde mir am späteren Abend natürlich noch schmerzlich bewusst, dabei handelte es sich um Benzodiazepine - die dazu noch nicht einfach mal so abgesetzt werden können. (Die Ärztin die ihm eine Großpackung mit 60 Tabletten verschrieben hat, sollte ihren Job überdenken..)Die Beziehung war die beste und schlimmste Beziehung die ich hatte. Sie hat mir eine neue Sicht auf den Umgang mit Menschen und Ehrlichkeit gegeben, Mich sehr vorsichtig im Umgang mit Menschen gemacht und mir tatsächlich einen meiner inzwischen besten Freunde geschenkt. LyaP.S. Wir trennten uns nicht wegen der Drogen, für mich war ein Leben ohne Kinder unvorstellbar - und er sagte, er könnte in seinem Zustand sich nie vorstellen Vater zu werden.

17.6.16 10:42

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